Stigma, Felix Mitterer

PRESSE KRONENZEITUNG (8. August 2010)

EIN HÖLLENTRIP DER EMOTIONEN
Es ist ein idyllischer Ort, die Arena des Schwazer Silberwaldes. Gar nicht idyllisch war indes, was Freitag Abend dort gezeigt wurde: “Stigma” von Felix Mitterer, in der Regie von Markus PLATTNER. Ein Abend, der unter die Haut ging. Knallhartes, frontales Theater voller Leidenschaft. Ein einzigartiger emotionaler Höllentrip! ….Markus PLATTNER erzählt die aussichtslose Geschichte der Moid, die sich ob aller Tristesse vom irdischen Leben verabschiedet hat und sich mit Jesus vermählt, schonungslos und trotzdem sehr feinsinnig. Seine Brutalität und Radikalität ist voll Poesie. Dem Publikum gönnt er keine Verschnaufpause und kommt zur Sache. Sein “Stigma” geht unter die Haut. Theater macht er zur Erfahrung. Eine Erfahrung voller Emotionen. “Stigma” wird zum Plädoyer für die Außenseiter der Gesellschaft. Das ist Theater, das trifft. Mitten in die Herzen der Zuschauer. Atemberaubend und einzigartig! Einzigartig ist auch Anja PÖLZL als Moid. Ihre Authentizität ist ergreifend. Man fühlt mit ihr. Man leidet mit ihr. Die Szene mit der Teufelsaustreibung meistert sie mit höchster Glaubwürdigkeit. Ihre Schreie, ihre Schmerzen lässt sie den Zuschauer spüren. Beängstigend und erschreckend. Es stockt der Atem. Mit Manfred BRÖTZ, Michel HEIL, René PERMOSER, Johannes F. HEISS, Rolf PARTON, Herwig WARASIN, Traudi LAMPRECHTR, Margit PEER, Günther ETTEL und Martin SAURWEIN sind auch alle anderen Rollen optimal besetzt. Christian GREIDERER reduziert das Bühnenbild auf zwei Kreuze und schärft so den Blick auf das Geschehen. Ralf WAPLER zaubert einzigartige Lichtstimmungen und Mike MOLL schafft mit Musik eine zusätzliche Dimension. Silvia FRITZ zeigt viel Gespür bei den Kostümen. Hier hat ein hochambitioniertes Team hochsubventionierten Bühnen die rote Karte gezeigt: Hier wird Theater mit Herzblut und viel Leidenschaft gemacht. Das spürt man als Zuschauer. Jede Minute. Und das erlebt man nur ganz selten. Fast nie! In Schwaz hat man es erlebt. Man hat es erfahren.

TIROLER TAGESZEITUNG (9. August 2010)

DIE MACHT DER SCHULDIGEN
Mit einer furiosen “Stigma” – Inszenierung punktet der Schwazer Silberwald als Spielort. ….. Die Premierenvorstellung von “Stigma” wurde am Freitag Abend mit vielen Bravorufen bedacht. ….. .Markus PLATTNER und seine großartig agierenden Schauspieler (!) lehnen sich weit hinaus … Bereits im ersten Bild zwischen den Kreuzen (stark, die Bühne von Christian GREIDERER) ist alles angedeutet. Die Magd, die Moid (überaus eindringlich Anja PÖLZL) im weißen Kleid darf das Tischgebet nicht halten. Der selbstgerechte Bauer (Johannes F. HEISS) ist der Herrscher. … Sie, die Dienstbeflissenen und Außenseiter werden facettenreich von Michael HEIL, Margit PEER, Günther ETTEL, Rolf PARTON, Herwig WARASIN, Traudi LAMPRECHT und auch vom Regisseur selbst dargestellt. Moid will den Nachstellungen des Großknechts (Manfred BRÖTZ) und des Bauernsohnes (René PERMOSER) nicht nachgeben. Sie flüchtet sich in die Religion, bekommt die Wundmale Christi, heilt Arme und protestiert gegen soziale Ungerechtigkeit (diese Szenen sticheln auf). ……. Das Stück gewinnt mit der Wahl historisierender Kostüme (Silvia FRITZ). Auch Abstand ist nötig. Genauso kann man das Stück heute aufführen: Eipsodenhaft gestrafft, leidenschaftlich, ein bisschen verrückt … unterstützt mit allen Kniffen von Musik und Lichtregie (Mike MOLL, Ralf WAPLER).

Kompliment an das Team.

Fotos: Kurt Schartner, Ralf Wapler