Die Beichte, Drama von Felix Mitterer

Das Theater im Schloss Mitterhart, Vomp / Tirol zeigte Felix Mitterers “Die Beichte”.

backstage war von Anfang an in die Produktion involviert und übernahm sowohl die Gestaltung als auch die technische Durchführung.
Uraufführung des Stücks war bei den Tiroler Volksschauspielen Telfs am 24. Juli 2004. Das im Studio Tirol des ORF produzierte gleichnamige Hörspiel wurde vom Publikum zum „Hörspiel des Jahres“ gewählt. Außerdem erhielt es auch den „Prix Italia“ als bestes Hörspiel unter den Einsendungen aus der ganzen Welt.

Den Anstoß dazu gab eine 1999 im irischen Fernseh

 

en gesendete Dokumentarfilmserie über jugendliche Missbrauchopfer in kirchlich geführten Waisen-, Erziehungs- und Schülerheimen in Irland und nicht die skandalösen Zustände im Priesterseminar St. Pölten, die erst im November 2003 bekannt wurden und den traurigen Beweis lieferten, dass das Thema leider auch in Österreich aktuell ist.
Das Stück behandelt die Abrechnung eines Mannes mit sich selbst und einem Priester, der ihn einst sexuell missbraucht hat. Denn er ist gegenüber seinem eigenen Kind selber zum Täter geworden. Mitterer thematisiert hier nicht Homosexualität, die erst recht wieder in den Bereich der Marginalisierung gerät, sondern Zärtlichkeit und Zuwendung als Basis zur Entwicklung einer gesunden Persönlichkeitsstruktur. Er zeigt die Kirche mit ihren menschenfeindlichen und unzeitgemäßen Zölibatvorschriften, die erwachsene Männer und Kinder in bittere Einsamkeit zwingt und Frauen als handelnde Personen ausgrenzt.

KOMMENTAR VON FELIX MITTERER

Markus Plattner inszeniert seit zehn Jahren meine Stücke und alle seine Aufführungen werden mir (und dem Publikum) immer in Erinnerung bleiben. Da gibt es nichts Laues, Halbherziges und Beliebiges, da gibt es keine Durchhänger und keine Langeweile, alles geht an die Nieren und in die Magengrube, manchmal bis an die Grenzen der Erträglichkeit. Markus Plattner inszeniert vollkommen aus dem Bauch heraus, aus der Tiefe seiner Emotionen, in denen sich die Emotionen der Figuren spiegeln. Bei all dem Extremen, bei all dem gnadenlosen Psychokrieg, der hier stattfindet, bemerken wir, dass Markus Plattner in seine Protagonisten förmlich hinein kriecht, dass er sich mit ihnen identifiziert und sie deshalb auch versteht und liebt. Für mich ist er einer der besten Regisseure, die wir in Österreich haben.

TIROLER TAGESZEITUNG

ANKLAGENDE BEICHTE
Einen aufwühlenden Theaterabend erlebten die Zuseher am Donnerstag in Vomp. Gezeigt wurde „Die Beichte“ von Felix Mitterer.

VOMP (pla). Im Zentrum der „Beichte“ steht die Annahme, dass erlittenes Unrecht von dem Opfer weitergegeben wird. Das Stück behandelt die Abrechnung eines Mannes mit sich selbst und einem Priester, der ihn sexuell missbraucht hat. Das Opfer ist gegenüber seinem Kind selbst zum Täter geworden.

Regisseur Markus Plattner bringt das vielschichtige Seelendrama im Theaterstadl von Schloss Mitterhart sehr direkt, nahezu brutal, auf die Bühne. Die naturalistische Beichtstuhlsituation spart er aus, bei ihm fokussiert sich das Geschehen auf den Opfertisch. Die leisen Töne gehen trotz eines beeindruckenden Bühnenbildes (Christian Greiderer), dem stimmungsvollen Lichtdesign (Ralf Wapler) und dem hervorragenden Sounddesign (Mike Moll) nahezu unter.

Das liegt vor allem an Ernst Schnöller, der als missbrauchter Täter für seine Verzweiflung und Zerrissenheit nur die Ausdrucksform des Schreiens findet. Hervorragend hingegen Reinhard Forcher in der Rolle des Paters Eberhart. Er changiert zwischen dem Schmeichler und dem sich selbst geißelnden Sünder. Juliane Haring zeigt das Kind in all seiner Verletzlichkeit. Das Publikum war betroffen und begeistert.